
Im Oktober 2005 beschlossen das Gymnasium Liestal und die Universität Basel, eine in der Schweiz neue Form der Begabtenförderung für leistungsstarke Gymschüler zu erproben. Konzipiert wurde das Programm von einer Arbeitsgruppe des Gymnasiums unter der Leitung des Rektors, Guy Kempfert.
Dabei sollten möglichst die folgenden Kriterien erfüllt werden:
Der Grundgedanke der Begabtenförderung am Gymnasium Liestal ist, dass Schülerinnen und Schüler während einem oder zweier Halbtage die Universität Basel besuchen. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler erwerben dabei Kenntnisse, die sie während ihres späteren Universitätsstudiums unmittelbar verwerten können. Durch die aufgrund der besuchten Veranstaltungen und abgelegten Prüfungen erworbenen Credits-Points werden sie befähigt, ihre Studiendauer wesentlich zu verkürzen.
Besonders begabte Schülerinnen und Schüler sind in der Schule unterfordert; sie können das jeweilige Klassenziel aufgrund ihrer Begabung mit relativ geringem Arbeitsaufwand erreichen und erlernen dadurch keine dem späteren Studium angemessene Arbeitshaltung ("Success is 1 % inspiration and 99 % transpiration", Thomas A. Edison). Durch unser Programm zur Begabungsförderung verkürzen wir die Unterrichtszeit am Gymnasium zu Gunsten einer universitären Frühförderung. Dadurch folgen die Teilnehmer auch dem gymnasialen Unterricht wieder mit höherem Interesse. Es entsteht eine eigentliche Win-Win-Situation.
Aufgrund der hohen Auslastung der Basler Universität dürfte das Projekt bei regelmässiger Durchführung nur mit wenig zusätzlichem Aufwand für die Universitätsdozenten verbunden sein.
Neben den dargestellten fachlichen Aspekten ist auch die Förderung der sozialen Interaktion der besonders begabten Schülerinnen ein wichtiges Ziel des Konzepts. Deshalb haben wir darauf verzichtet, eigentliche „Eliteklassen“ zu bilden und belassen die Teilnehmer in den Regelklassen und damit in einem üblichen sozialen Umfeld.
Bei der Auswahl der Schülerinnen und Schüler folgen wir grundsätzlich den Empfehlungen der Fachlehrer und des Klassenlehrers. Zudem wird eine Bewerbung mit Lebenslauf unter Vorlage des letzten Zeugnisses erwartet.
Die jeweiligen Dozenten der Vorlesungen oder Übungen müssen ihr Einverständnis geben, da die Schüler kein institutionalisiertes Anrecht auf die Teilnahme an Universitätsveranstaltungen haben.
Im Oktober 2005 hat die Schulleitung des Gymnasiums auf Empfehlung der Projektleitung fünf Schülerinnen und Schüler in das Programm aufgenommen. Drei Teilnehmer haben die Semesterprüfungen an der Universität mit sehr guten Noten bestanden. Zwei Schüler erachteten den Arbeitaufwand letztendlich als zu belastend und verzichteten auf eine weitere Teilnahme.
Das Hauptproblem ist, dass die Veranstaltungen meist vormittags stattfinden. Durch die Entfernung Gymnasium Liestal – Universität Basel fallen demnach bisweilen nicht nur einzelne Stunden, sondern komplette Vormittage als Unterrichtszeiten aus. Das Erarbeiten des verpassten Stoffes stellt eine wesentliche Belastung für die Teilnehmer dar.
Das Projekt scheint eine vielversprechende Alternative zu anderen Begabtenförderungsprojekten zu sein. Es ermöglicht leistungsstarken Schülern, ihr Potential voll auszuschöpfen: sie werden gefordert und gefördert. Studienzeiten können verkürzt werden, sofern ein entsprechendes Fach nach der Matur studiert wird. Aufgrund der zahlreichen Eltern- und Schülergespräche, welche die Projektleitung und das Rektorat geführt haben, darf geschlossen werden, dass ein grosser Bedarf an Förderungsmassnahmen zu bestehen scheint.
Interessenten und Interessentinnen können auf dem Sekretariat eine Broschüre mit allen nötigen Angaben beziehen oder diese direkt als pdf-Datei herunterladen.